Geschichte

Leicht ist es dem Ornithologen Claus Fentzloff  und seiner Frau Bettina  nicht gefallen, ihre geliebten und zum größten Teil selber aufgezogenen Greifvögel zum Saisonende abzugeben – aber mit 84 Jahren darf der Gründer der DEUTSCHEN GREIFENWARTE wohl daran denken, seine Flüge zu beenden, um in den lange aufgeschobenen Ruhestand zu treten und sich ganz dem Schreiben zu widmen. Zahlreiche Manuskripte warten auf Bearbeitung. Und die beruhigende Nachricht: Sein Lebenswerk wird weiter bestehen !

Bettina und Claus Fetzloff.

Fotograf Ralf Hettler(Quelle: B+C Fentzloff): Adler, Geier & Co werden auch weiter ihre Kreise ziehen, denn im Dezember 2008 übergab das Ehepaar Fentzloff die Anlage vertrauensvoll in die Hände des bisherigen Verpächters Bernolph v.Gemmingen.

Eulen-Vater ... eagle-dad ... eisgrauer Geier-Guru ... sind nur einige der Namen, die sich Claus Fentzloff in einem langen Schaffensleben erworben hat. Die Liebe zur Natur und ganz besonders zu den Greifvögeln hat den Lebensweg des 1924 in Danzig geborenen Vogelexperten nachhaltig geprägt. Seine in 60 Jahren erworbene profunde Sachkenntnis im Fachbereich Greifvögel ist weltweit gefragt.

Fotograf Herbert Fahr1948 startete er seine nicht alltägliche Karriere als Tierfotograf, erste Flugvorführungen mit Adlern folgten schon 1958 im Falkenhof Walldorf, seine legendären Veröffentlichungen über das Jagen mit Steinadlern finden noch heute Beachtung. 1950 begann er aktiv im Natur- und Artenschutz. Als Beringer der Vogelwarte Radolfzell kennzeichnete er Schleiereulen und seltene Vogelarten. Zur Sicherung der Störche kletterte er in schwindelnde Höhen auf Kirchtürme. Er rettete unzählige Igel, Schlangen, Fledermäuse und Kröten als Naturschutzwart im Kreis Ludwigsburg und berichtete über seine Tiererlebnisse jahrelang als Beauftragter des Kultus- ministeriums in spannenden Dia-Vorträgen an den Schulen. Fotograf Silvio BürgerErste Vogelstimmenplatten bei Kosmos folgten, ab 1970 erste Tierfilme für den WDR – seine Sonntags-Mattinéen mit wechselnden Themen an der Uni Heidelberg wurden zur vielbesuchten Einrichtung.
Nebenbei: Anno 1967 erfand und zelebrierte er das kulturhistorische Programm „das Ritterliche Mahl“ auf vielen Burgen und Schlössern.
- Das fand viele Nachahmer. -
Gleichzeitig entwickelte er die heute auf allen Mittelalterveranstaltungen verwendete “Marktsprache“ nach historischen Vorlagen. Später gestaltete er das „Friderizianische Bankett“ mit höfischem Zeremoniell und feiner Tafelmusik.
Fotograf Silvio Bürger
Mehr und mehr verletzte Tiere wurden ihm in diesen Jahren zur Versorgung gebracht – die Idee für die erste Notaufnahme- und Pflegestation wurde mit der Gründung der Burgfalknerei Beilstein 1961 verwirklicht - inzwischen in Fortführung auf Burg Guttenberg die älteste private Zucht- und Forschungsstation in Europa.
36 Greifvogelarten züchtete er erfolgreich und übermittelte die wichtigen Brut- und Aufzuchtdaten weltweit kostenlos an Zoologische Einrichtungen. Weitere Gestaltungsideen und der ständig wachsende Vogelbestand brauchten bald eine neue Unterkunft.

Die bot der damalige Inhaber der Burg Guttenberg, Christoph Frhr.v. Gemmingen-Guttenberg zur Pacht auf Lebenszeit an.

Aus den ungenutzten Fotograf Silvio BürgerSchutt- und Brennnesselgräben und den Wehranlagen rund um die mittelalterliche Burg schuf Claus Fentzloff mit viel Phantasie und unvorstellbarem Aufwand die Infrastruktur und Anlagen der DEUTSCHEN GREIFENWARTE. Er ahnte damals nicht, welch attraktiven Anziehungspunkt er damit für die ganze Region im romantischen Neckartal geschaffen hatte.
- Und wieder fand er viele Nachahmer. -

Seit 1970 kamen die Besucher, zunehmend auch aus aller Welt und bestaunten die einmaligen Flugvorführungen freifliegender Adler, Geier und Eulen so dicht über ihren Köpfen, bei guter Thermik hoch am Himmel oder weit übers Neckartal bis in den Odenwald. Ein unvergFotograf Irene Lachnereßliches, hautnahes Erlebnis !

1992 lernte Claus Fentzloff seine heutige Frau Bettina kennen, die als Grafikern und Malerin keine Ahnung vom Umgang mit den großen Vögeln hatte , aber beherzt und tatkräftig alle Höhen- und Sturzflüge voller Begeisterung mitmachte. Nach erfolgreicher Jäger- und Falknerprüfung stand sie ihrem Mann als Fachfrau zur Seite, voll involviert in seine Zielsetzungen. Abenteuerliche, oft nicht ungefährliche Expeditionen in alle Kontinente und entlegene Inselgruppen, immer auf den Spuren der Seeadler, unternahmen sie nun gemeinsam.

Fotos der Adler und anderer Wildtiere entstanden unter oft unglaublichen Bedingungen, ob im eisigen Alaska oder im tropischen Regenwald der Salomonen in der Südsee. Von diesen Begegnungen in fernen Ländern berichteten Bettina und Claus Fentzloff bei den Flugvorführungen, vor allem aber von ihrer faszinierenden Arbeit, von Pflege, Zucht und Forschung. Bei Wind und Wetter standen Sie täglich auf dem Flugplatz und konnten das Interesse und Staunen von Millionen Menschen wecken für diese beeindruckenden, gefährdeten Großgreife.
Fotograf Irene Lachner
Bei dieser Naturschutzarbeit lag es Bettina Fentzloff besonders am Herzen, den technikverwöhnten und naturentwöhnten Schulkindern und Jugendlichen die Natur näher zu bringen. Dies fand großes Echo beim engen Kontakt mit den imposanten Vögeln, bei einer kleinen Mutprobe, der hautnahen Begegnung und wurde für die Kinder zum bleibenden, tiefen Erlebnis.

In den Wehranlagen rund um die Burg bestaunten die Besucher ca. 100 Greifvögel und Eulen aus nächster Nähe. Exotische Skulpturen, Exponate, Großfotos und viele Sonderausstellungen in den liebevoll gestalteten Anlagen Fotograf Silvio Bürgerergänzten den Themenkreis. Die Gefahren für die bedrohten Greifvögel durch den Menschen, die Zerstörung ihrer Lebensräume und direkte Verfolgung konnte Claus Fentzloff mit vielen Beispielen eindringlich darstellen.

Sein Hauptanliegen in 60 Jahren aber war die Zucht und kostenlose Auswilderung der vom Aussterben bedrohten Seeadler und anderer Arten in Europäischen Ländern:

Züchten für die Freiheit – nicht für den Verkauf !

Sein lebenslanges Motto war und ist: Der Natur das zurückzugeben, was der Mensch der Natur genommen hat !

1975 startete er als Erster erfolgreich die Auswilderung von insgesamt 37 Europäischen Seeadlern aus eigener Zucht in ehemaligen Brutgebieten (Schleswig-Holstein, Irland, Frankreich, Schweden, Tschechei) Dank der Beringung der Vögel kann er eindrucksvolle Zahlen vorweisen: Heute fliegen dort über 400 Nachkommen seiner Adler in mehreren Generationen. Der Bestand des Europäischen Seeadlers ist gesichert auch dank seiner Ideen und seinem großem persönlichen Einsatz. Alle Aufwendungen und Leistungen zum Schutz bedrohter Arten erbrachte er in all den Jahren ohne staatliche Zuschüsse oder Subventionen .

Bettina & Claus Fentzloff bedanken sich an dieser Stelle, auch im Namen ihrer fliegenden Freunde, ganz herzlich für die Treue und Zuwendung der Mitarbeiter, der Wegbegleiter und Helfer, Besucher und Freunde der DEUTSCHEN GREIFENWARTE über fast 4 Jahrzehnte und wünschen allen allzeit einen “Guten Flug“ und ihrem Nachfolger einen guten Start !

Anfragen betreffend Greifenwarte bitte unter
info@greifenwarte.de

Anfragen betreffend Bettina + Claus Fentzloff bitte unter
info@claus-fentzloff.de  - www.claus-fentzloff.de
info@bettina-fentzloff.de - www.bettina-fentzloff.de